Stimmvolk stoppt Bahnhofprojekt Locarno

Mit nur 102 Stimmen Unterschied hat das Tessiner Stimmvolk die geplante Neugestaltung des Bahnhofs Locarno-Muralto verworfen. Trotz regionaler Bedeutung und geplanter Verbesserungen für den Fuss- und Veloverkehr scheiterte das 16-Millionen-Projekt am Widerstand lokaler Gewerbetreibender.
Die Vorlage zur Neugestaltung des Bahnhofs Locarno-Muralto wurde bei einer Stimmbeteiligung von 31 Prozent knapp abgelehnt. 33’723 Nein-Stimmen standen 33’621 Ja-Stimmen gegenüber. Damit wurde das Projekt mit einem hauchdünnen Vorsprung von 102 Stimmen gestoppt . Ein Resultat, das zeigt, wie umstritten städtebauliche Eingriffe auch bei regional bedeutsamen Infrastrukturprojekten sein können.
Geplante Investitionen für mehr Übersicht und Mobilität
Das Projekt hätte eine umfassende Aufwertung des Verkehrsknotens mit einem Gesamtvolumen von 16 Millionen Franken umfasst. Der Kanton Tessin hätte davon rund 7 Millionen Franken getragen. Geplant war eine stärkere Fokussierung auf den Fuss- und Veloverkehr sowie eine effizientere Organisation der Busperrons. Ziel war es, die multimodale Anbindung des Bahnhofs zu verbessern und den öffentlichen Verkehr übersichtlicher und zugänglicher zu gestalten.
Widerstand aus dem Gewerbeumfeld
Gegenwind erhielt das Projekt insbesondere von Geschäfts- und Gastronomiebetrieben rund um die Viale Cattori. Diese befürchteten, dass die erhöhte Busfrequenz, mehr als 250 Busse pro Tag, die Aufenthaltsqualität an der Seepromenade beeinträchtigen würde. Auch der Wegfall direkter Zufahrten für den motorisierten Individualverkehr zu Läden und Restaurants wurde als erheblicher Nachteil gewertet. Die Gegner argumentierten, dass dies die wirtschaftliche Attraktivität der Zone gefährden könnte.
Infrastrukturprojekt mit lokalem Zielkonflikt
Die Ablehnung der Bahnhof-Neugestaltung in Locarno zeigt exemplarisch die Spannungsfelder zwischen Mobilitätswende, Stadtentwicklung und lokalem Wirtschaftsinteresse. Trotz klarer verkehrlicher und gestalterischer Vorteile konnte sich das Projekt nicht durchsetze. Vor allem wegen der befürchteten Nachteile für den bestehenden Gewerbestandort. Für künftige Infrastrukturprojekte mit städtebaulicher Wirkung wird dies als Mahnung dienen, betroffene Interessengruppen frühzeitig und umfassend in den Dialog einzubinden.